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Verbände und Lehrende sind oft verstrickt in Kommerz, Lobbyismus und Loyalität

Anstatt falsche Lehr-Inhalte zu korrigieren werden Forschungen ignoriert und Fakten kleingeredet

Zudem ist ihr traditionell-esoterischer Moralkodex unvereinbar mit Güte-Kriterien westlicher Erwachsenenbildung

Mein Alternativ-Ansatz schafft ein umfassendes Korrektiv für Fehlentwicklungen wie Fundamentalismus, Folklore und Beliebigkeit

Kern-Bereiche sind Lernen und Lehren nach ideologie-freien Qualitätsstandards, Fakten-Treue, Unabhängigkeit sowie innere Weiterentwicklung

DIE "YANG-DAO-FANG-DEBATTE"

Die "International Association" sieht sich als Kampfkunst-Vereinigung mit hoher Moral des Wude und der Yang-Familie. Yang Jun selbst fordert von seiner Gefolgschaft: "Alles was Ihr tut, ist Kampfkunst"! Zu den daraus resultierenden "Sachzwängen" gehört auch die "Yang-Daofang-Debatte".

Entgegen der geschönten Darstellung von Lobby-Verbänden findet in der Yang-Familie hinter den Kulissen ein erbitterter Kampf um die Deutungshoheit der Linienhalterschaft statt. Traditionelle Voraussetzung sind eigentlich Blutlinie und direkte Weitergabe an die Folge-Generation.

Dieses "Phantom", dessen Namen jeder kennt, aber über den man so gut wie nichts weiß, ist symptomatisch für eine Community, die "gefühlte Fakten" und "Gewißheiten" höher schätzt als kritisches Hinterfragen. Weitere Zitate und Einschätzungen hier: FAQ Yang Daofang.

 

Yang Dao Fang

Der Autor dieser Seite ist Dr. Stephan Langhoff. Er ist einschlägig und ausgewiesen qualifiziert in zahlreichen Fachbereichen. Der auch international renommierte DTB-Ausbilder wendet sich gegen das Vordringen von "Quasi-Religiosität", Eso-Folklore und Glaubensgemeinschaften. Er sagt: Ich möchte betonen, dass ich das Thema Yang Daofang deswegen behandle, weil die Lehrer-Ausbildung des Shanxi-Clans in der Öffentlichkeit in Verbindung mit dem Thema meiner Lehrerausbildung auftritt. Wären die Seminare gekennzeichnet als Treffen einer esoterischen Glaubensgemeinschaft, so würde ich Faktentreue natürlich nicht einfordern. Ganz praktisch wird Yang Daofang in der Seattle-Community ja immer dann erwähnt, wenn es um Berechtigung und Bestätigung der angeblichen Linienhalterschaft von Yang Jun geht. Doch für ein solches "Alibi" ist die Person Yang Daofangs völlig ungeeignet. Zusätzlich komplizierend wirkt der ständige Eiertanz zwischen Blutlinie und Wissens-Übermittlung. Mein Fazit: Yang Dao Fang hat eine undankbare Rolle - er soll praktisch immer dann mit seinem Namen herhalten, wenn über seinen Sohn etwas Unbelegtes behauptet wird. Dies zeige ich an untenstehendem Fall der Webseite des Berliner Yang Chengfu Centers.

Yang Dao Fang

Yang Daofang Yang-Family-Lineage, Stammbaum Yang JunYang Daofang Tribut zu zollen durch Erwähnung seines Namens ist eine Pflichtübung, die auf die Gründerväter der Association zurückgeht. Doch welchen Beitrag leistet Yang Daofang jenseits dieser "Politischen Korrektheit" für die Association? Sicher ist ja nur seine Abwesenheit. Ist er eine bloße "Nebelkerze"? Meine Antwort ist "Ja". Und auch für all diejenigen, die ihn pflichtschuldig erwähnen, spielt er ja absolut keine Rolle! Weder ist er ein Großmeister noch hat er seinen Sohn Yang Jun unterrichtet. Die häufige Nennung des Yang-Jun-Vaters in dessen Community steht in krassem Mißverhältnis zu seiner gänzlich unbedeutenden Rolle. Er ist ja wohl kaum irgend jemanden aufgefallen - schon gar nicht als "Alibi", d. h. als funktionierendes Bindeglied in der Kette der Linienhalterschaft der Familie Yang. Sein "Personen-Kult" ist eine reine Fingerübung - und diese sagt mehr aus über die Wunschträume der Schreiber als über das Prestige des "Phantoms" selbst. 

Yang Dao Fang - was steckt dahinter?

Erwähnt wird Yang Daofang ja nur im überschaubaren Mini-Familien-Clan des "Shanxi-Zweigs" - typischerweise in dieser Form "... als Sohn von Yang Dao Fang und Enkel von Yang Zhen Duo ist Yang Jun ...". Und dabei zeigt sich: Bei jedem, der Yang Dao Fang quasi reflex-haft den vermeintlich notwendigen Tribut zollt, steht eine innere Haltung dahinter. Diese zu ergründen, ist relativ leicht, denn es gibt ja nur wenige plausible Szenarien. Diese Mentalen Modelle habe ich detailliert beschrieben im Zusammenhang mit Varianten des Familien-Stammbaums auf www.stephan-langhoff.de/meister-yang-daofang.htm.

Die stereotype Erwähnung des Yang Daofang in der Yang-Jun-Community mag politisch korrekt und gut gemeint sein - aber sie deutet auf einen latenten Minderwertigkeitskomplex, der durchweg tabuisiert wird: Die "Broken Lineage Of Transmission" wird ersetzt durch die "Blood Line". So mancher, der darunter leidet, hätte sicher gern ein geschöntes fiktives Narrativ in etwa folgender Art und Weise:

Yang-Family-Lineage: Yang Zhenduo, Yang Daofang Yang JunYang Daofang wurde 1947 geboren. Er ist der Ur-Ur-Enkel von Yang Luchan. Er wurde ab seinem 4. Lebensjahr von seinem Vater Yang Zhenduo im traditionellen Yang-Familien-Tai-Chi-Chuan unterrichtet. Auch dieser Linienhalter wurde ab seinem 4. Lebensjahr von seinem Vater, dem Altmeister Yang Chengfu, dessen Frau, seinen älteren Brüdern und Fu Zhongwen unterrichtet. Yang Daofang erhielt somit von seinem Vater das gesamte Wissen der Familie Yang gemäß den Grundlagen der "Yang-Family-Classics" bestehend aus den "Prinzipien (Essentials)", der Solo-Form, Tuishou, Schwert und Säbel plus den vielen Facetten, die nicht öffentlich gelehrt werden - die Geheimnisse. Yang Daofang seinerseits gab diese Überlieferung unverfälscht an seinen 1968 geborenen Sohn Yang Jun weiter. Auch dieser lernte seit seinem 4. Lebensjahr.

Yang Dao Fang in Forschung und Lehre

An dem konkreten Beispiel möchte ich kurz erklären, warum grundsätzlich Forschung und Lehre viel ergiebiger für Faktencheck im Unterricht ist als Folklore von Glaubensgemeinschaften. Für verantwortungsvolle, wißbegierige Yang-Stilisten macht Ideologie-Freiheit weitaus mehr Sinn als unreflektiertes Duplizieren zweifelhafter Narrative. Gerade deren Beliebigkeit ist in Kreisen der Seattle-Mission "zum Wohle der Menschheit" in hohem Maße anzutreffen - auch hierzulande.

Der Direktor des Kölner Yang Chengfu Centers, Herr Frank Grothstück, sollte sich aufgrund seiner Kompetenz eigentlich auskennen mit "Dichtung und Wahrheit" in östlicher Kampfkunst. Er schreibt: "Das "Yang Chengfu Tai Chi Chuan Center Deutschland" wurde 2000 in Köln gegründet. Frank Grothstück, der Leiter und Lehrer der Schule, beschäftigt sich seit 1983 mit ostasiatischen Kampfkünsten und seit 1990 mit Tai Chi Chuan. Seit 1995 ist er Schüler -seit 2005 angenommener Schüler (Tudi)- von Yang Zhenduo und Yang Jun" (http://www.taichi-chuan.de/) .

F. Grothstück erwähnt in seiner Yang-Jun-Biographie (http://www.taichi-chuan.de/yangjun.htm) auch dessen Vater Yang Dao Fang und Yang Juns berühmten Großvater Yang Zhenduo (s. Yang Zhenduo / Yang Daofang). Wie alle anderen Center-Direktoren nutzt er dafür die offizielle Standard-Vorgabe der "International Yang Style Taijiquan Association". Die Hervorhebungen im Text stammen von mir.

Die häufigen Erwähnungen der untenstehenden Art implizieren die traditionell ja notwendige Begründung für Yang Juns Position als "zukünftiger Hauptvertreter des Yangstils und Träger des Yangfamilien-Erbes" (!). Zusätzlich streute Yang Zhenduo das Motto "From Generation To Generation - The Tradition Continues".

Auf der Startseite behauptet F. Grothstück zudem: "Die Yangschule des Tai Chi Chuan geht ursprünglich auf den Stilbegründer Yang Luchan zurück und wurde von seinem Enkel Yang Chengfu weiterentwickelt zum Traditionellen Yang Stil, so wie er heute noch in der Yang Familie geübt wird". Beides suggeriert Tatbestände, die nicht belegt sind und leicht widerlegt werden können.

Angesichts der Veränderungen, die Yang Jun und schon sein Großvater vorgenommen haben, ist es mir die Meinung unverständlich, es handele sich um die "Yang-Chengfu-Form". Schon diese Vorstellung ist eine Illusion, denn der Altmeister hat seine Form ja sein ganzes Leben hindurch vereinfacht und modernisiert.

Auch die Behauptung, Yang Jun würde seit 1982 Yang Zhenduo auf allen Auslandsreisen begleiten ist eindeutig falsch, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.

Ebenso unkorrekt ist die Aussage, Yang Jun sei das erste Familienmitglied, das außerhalb Chinas lebt. Fu Shengyuan übersiedelte viel früher nach Australien.


Yang Jun

(Zitiert am 13.4. 2018 nach http://www.taichi-chuan.de/yangjun.htm)

Meister Yang Jun, geboren 1968 in Taiyuan, ist der Nachkomme des Yang Stil Taijiquan Gründers Yang Lu Chan in der 6ten Generation. Als Sohn von Yang Dao Fang und Enkel von Yang Zhen Duo ist er der zukünftige Hauptvertreter des Yangstils und Träger des Yangfamilien-Erbes.

Meister Yang Jun begann sein Training bei Meister Yang Zhen Duo im Alter von 5 Jahren und lernte von ihm das komplette System, bestehend aus Taijiquan, Schwert, Säbel, Tuishou und anderen Formen des Taiji. Seit einer gemeinsamen Reise 1982 nach Singapur begleitet er seinen Großvater, wann immer dieser außerhalb Chinas unterrichtet. Nach nunmehr 20 Jahren und vielen gemeinsamen Seminaren auf der ganzen Welt leitet Meister Yang Jun den Unterricht selbst.

Sein großes Können wird in jeder Bewegung sichtbar. Sein Taiji, das präzise den Positionen und Bewegungen Yang Cheng Fus entspricht, verbindet Weichheit mit Härte, exakte äußere Form mit tiefem inneren Verständnis und Zurückhaltung mit Ausdruck.

Seit 1995 hat Yang Jun als Vize Präsident der "Shanxi Province Yang Style Tai Chi Chuan Association" gearbeitet. Im Oktober 1998 gründete Yang Zhenduo die “International Yang Style Tai Chi Chuan Association“, deren Präsident Yang Jun ist. Im August 1999 zog er mit seiner Familie nach Seattle, wo er neben seiner Arbeit für die International Association eine Taiji-Schule eröffnet hat. Er ist das erste Mitglied der Yangfamilie, das außerhalb Chinas lebt.


Kürzlich hat sich auch Yang Jun bemüßigt gesehen, doch seine "Schmallippigkeit" zum "Tabu-Thema Yang Dao Fang" aufzugeben und einige Hintergründe aus seiner Sicht preiszugeben

Yang Daofang Situation beschrieben von Yang Jun:

Jetzt zur Generation meiner Eltern. Die Familie Yang hat nicht genug Nachwuchs. Wenn wir den Yang-Chengfu-Zweig der Familie nehmen (die anderen Zweige hatten entweder keine männlichen Erben oder sie waren verstreut und wir haben den Kontakt mit ihnen verloren). Allerdings hatte der älteste Sohn Yang Shouzhong einen Sohn gehabt, doch der wurde während des Krieges, während der Japan-Invasion in der Provinz Guangxi in die Luft gesprengt.

Der zweite Sohn, Yang Zhenji, hatte keine Kinder. Obwohl der dritte Sohn Yang Zhenduo und der vierte Sohn Yang Zhenguo beide zwei Söhne hatten, fiel die Zeit, in der sie Tai Chi hätten lernen sollen, mit der Hungersnot zusammen, die sich in den 60er Jahren ereignete. Und auch wegen der Kulturrevolution fehlten ihnen verfügbare Auswahlmöglichkeiten und sie waren nicht in der Lage, professionelle Tai Chi Lehrer zu werden. Also wurde aus dieser Generation, obwohl sie Tai Chi praktizierten, keine Lehrer.

Wenn wir zur sechsten Generation kommen, bin ich der Älteste. Aufgrund einiger sozialer Bedingungen habe ich seit meinem dritten Lebensmonat bei meinen Großeltern gelebt, was mir eine ziemlich gute Umgebung bot, Tai Chi zu lernen. Und obwohl ich weiß, dass ich vielleicht nicht wirklich gut genug bin, habe ich versucht, in den Bewegungen mein Bestes gegeben, um meinen Großvater nachzuahmen und die runden, glatten, großen und eleganten Qualitäten des Yang-Stil-Tai Chi-Chuan auszudrücken. Und als Mitglied der Yang-Familie habe ich mich nach besten Kräften bemüht, diese wunderbare Kunst zu fördern.

Original:

Now for my parent's generation. The Yang family hasn't produced enough offspring. If we take the Yang Chengfu branch of the family (the other branches either didn't produce any male heirs or they were scattered and we have lost contact with them), though the eldest son Yang Shouzhong had a son, during the war when Japan invaded China he was blown up by the Japanese in Guangxi province.

The second son, Yang Zhenji, had no children. Although the third son Yang Zhenduo and the fourth son Yang Zhenguo both had two sons, the time when they might have studied Tai Chi happened to coincide with the famine which occurred in the 60's and the period of the Cultural Revolution, and later because of career choices available they weren't able to become professional Tai Chi teachers. So this generation, though they practiced Tai Chi, did not become teachers.

When we come to the sixth generation, I am the oldest. Because of some social conditions, since I was three months old I have lived with my grandparents, which provided a rather good environment for me to learn Tai Chi. And though I know perhaps I am not really clever enough, in the movements I have tried my best to imitate my grandfather and to express the round, smooth, large and elegant qualities of Yang style Tai Chi Chuan, and as a member of the Yang family I have striven to the best of my ability to promote this marvelous art.

Source: http://www.yangfamilytaichi.com/phpBB3/viewtopic.php?f=1&t=30&p=317&hilit=goon#p317

Forschungen zur Person Yang  Dao Fang - benutzte Quellen

www.nairiki.posture-inside.com/yang-daofang.html

www.yang-jun.tai-chi-verband.de/yang_daofang.htm

Yang Chengfu Tai Chi Chuan Center  S. dazu das Feedback von DTB-Lehrer Nils zu seiner Tai-Chi-Qigong-Lehrerausbildung Kiel.