Dr. Stephan Langhoff, geboren 1949, Tai-Chi-Ausbildung-Deutschland, Qigong-Ausbildung-Deutschland

 ✔️  Qigong und Tai Chi (Taijiquan) meistern in Deutschland

 

WILLKOMMEN BEI UNSERER "COMMUNITY MIT WEITBLICK"

Verbände und Lehrende sind oft verstrickt in Heilslehren, Lobbyismus und Kommerz

Anstatt falsche Lehren zu korrigieren werden Forschungen ignoriert und Fakten kleingeredet

Zudem ist ihr traditioneller Moralkodex unvereinbar mit Güte-Standards westlicher Erwachsenenbildung

Meine Alternative schafft ein Korrektiv zu Fehlentwicklungen, Fundamentalismus, Tabuisierung und Ignoranz

Mein Markenkern sind ideologie-freie Qualitätsstandards, Fakten-Treue, Unabhängigkeit sowie innere Weiterentwicklung

 

Jeder kann das großartige Potenzial des Tai Chi und Qigong nutzen - für sich und andere !

Blogpost Review: Push Hands (Tuishou) - Essay Update 2019

TUI SHOU (TUISHOU): Dieser Artikel über Push Hands und Push-Hands-Treffen beleuchtet die ganze Bandbreite der legendären geheimnisumwitterten Zweikampf-Methodik aus ideologie-freier Sicht, denn der Autor Dr. Langhoff ist keiner chinesischen Dynastie zu Loyalität und Gehorsam verpflichtet. Der DTB-Ausbilder hat 50 Jahre Erfahrung mit östlicher Kampfkunst. Hier beschreibt der bekannte Dan-Träger nicht nur die Grundlagen der Tuishou-Thematik in Forschung, Unterricht und Lehre sondern spannt einen stilart-übergreifenden Bogen, der sich gleichermaßen an Anfänger und Fortgeschrittene richtet. Auch die Rolle der Yin-Yang-Philosophie wird sachkundig erklärt. Der Essay ist in 10 Kapitel gegliedert und beinhaltet auch Exkurse und Anmerkungen.

DTB als Korrektiv für Beliebigkeit in der Szene

Die Taiji-Qigong-Community hierzulande hat "Beliebigkeit" zu ihrem Fetisch erhoben. Doch niemand sollte sich mit solcher "kalkulierten Ignoranz" zufrieden geben. Demgegenüber basiert das DTB-Korrektiv auf einer "Communty mit Weitblick"  (s. dazu DTB-Glossar und DTB-Fachkräfte-Register). Der DTB empfiehlt Praktizierenden und Lehrenden gleichermaßen, stets ohne Scheuklappen "über den Tellerrand zu blicken" und Begriffe klar zu definieren! Dabei helfen die DTB-Infomaterialien, Fach-Fortbildungen und Nachschulungen. Die große Nachfrage zeigt den bundesweiten Bedarf! Gerade Lehrende sollten verantwortungsvoll ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen und ihren Wissensstand kontinierlich und unvoreingenommen überprüfen. Statt Esoterik-Folklore, Infotainment und Lobbyismus sollte ideologie-freier Faktencheck Priorität genießen.

DTB-Fachfortbildungen

Tuishou war bereits von anfang an integraler Bestandteil der Ausbildung des Deachverbandes. Den Rahmen für diese Events bilden die Block-Module der Lehrerausbildung viermal pro Jahr von montags bis freitags in der Region Hannover. Es gibt also keinen durchgehenden Push-Hands-Unterricht über die gesamte Zeit sondern tägliche Themen-Blöcke (s. das jeweilige Curriculum im Eventkalender). Offiziell zertifizierte DTB-Abschlüsse sind: Kursleiter/ Übungsleiter, Lehrer, Profi und Ausbilder. Updates hier: TUI SHOU: Push-Hands-Treffen

 

Push-Hands / Tuishou (Tui Shou) - Richtig Lernen und Lehren

"Push Hands" und "Tui Shou" sind gängige Bezeichnungen für Zweikampf-Übungen des chinesischen Wushu / Neijiaquan im Allgemeinen und des Tai Chi Chuan (Taijiquan) im Besonderen. Diese traditionelle Disziplin mit ihrer ausgeklügelten Methodik fasziniert weltweit viele Menschen und inspiriert sie zum Erlenren dieser Bewegungsschleifen. Und in der Tat ist das "Händeschieben" ja weit mehr als nur eine Partnerübung!

Doch es fehlen einheitliche Qualitätsstandards und der Anbeitermarkt ist vielerorts geprägt durch Heilslehren, Lobby-Verbände und unqualifiziert Lehrende. Entstanden ist so ein ungesunder Status Quo mit einem Krankheitsbild, das man als "Push-Hands-Syndrom" bezeichnen könnte. Dabei treffen verschiedene charakteristische Symptome aufeinander, die komplex zusammenwirken - ähnlich dem sprichwörtlichen "Gordischen Knoten".

Angesichts dieser intransparenten Sachlage liefert Dr. Langhoffs Artikel über die Zwei-Personen-Drills ein dringend nötiges Korrektiv mit wertvollen faktencheck-geprüften und weltanschaulich neutralen Sach-Informationen. Der Autor hilft mit seiner Expertise aus 50-jähriger Erfahrung sowohl Anfängern als auch Fortgeschrittenen, die Kern-Bereiche besser zu verstehen, sodaß jeder für sich neuartige Zusammenhänge erforschen kann.

Aufbau und Gliederung des Essays

  •  0. Abstract / Kurzfassung / Überblick und Einführung
  • 1. Push Hands (Tui Shou) -Definitionen
  • 2. Tui-Shou-Partnerübungen als Gegenpol zur Tai-Chi-Solo-Form
  • 3. Push-Hands-Sparte in Verbänden - Sonderrolle DTB-Dachverband
  • 4. Graduierungen: Tuishou-Meister und Taiji-Dynastien
  • 5.Tuishou und Innere Kampfkunst Taijiquan
  • 6. Push Hands im größeren Kontext
  • 7. Push-Hands-Treffen des DTB - Korrektiv und Distanzierung
  • 8. Wettkämpfe / Turniere und ihre Reglements
  • 9. Exkurse
  • 9.1. "Lobbycontrol"
  • 10. Anmerkungen

 

0. Abstract - Kurz-Fassung / Überblick und Einführung

Taiji-Meister, Qigong-Meister: Dr. Langhoff über Graduierungen im chinesischem Wushu / KungfuIch werde häufig um Rat gebeten zum Thema "Meisterschaft und Expertise" und das hat seine Ursache zum einen darin, daß ich über meine persönlichen Kontakte zu chinesischen Großmeistern ja recht offen und freimütig berichte und zum anderen in meiner wisssenschaftlichen Prägung, die dem üblichen "Esoterik-Folklore-Katechismus" ein Korrektiv entgegensetzt. Für viele Fragende ist meine Methodik offenbar seriöser als die peinlichen "Hofberichtserstattungen" und der plumpe Kommerz in der Community. Daher möchte ich im folgenden einen Beitrag leisten zur überaus faszinierenden Push-Hands-Thematik" unter Einbeziehung der Sichtweisen des DTB-Dachverbandes und seiner Schulungsstätte "Tai Chi Zentrum Hamburg". Dabei distanziere ich mich von der heutigen verwässerten "Hände-Schieberei". Ich habe dies hier an praktischen Beispielen detailliert erklärt Push-Hands-Meister in Hamburg.

Tuishou (Push Hands) Artikel von Dr. LanghoffWer die Partnerübungen praktiziert, stellt sie gern heraus als "grundlegend", "wichtig" oder "bekannt". Ihren Wert verdanken die Tuishou-Routinen der Dynamik ihrer ausgeklügelten "Martial-Arts-Internals", die eine unvorteilhafte Situation in eine dominierende wandeln - ganz so wie es die Wushu-Prämisse vorgibt. Doch das heute praktizierte Push-Hands hat mit den ursprünglichen, traditionell gelehrten Tuishou-Partner-Drills kaum noch etwas gemeinsam. Dennoch oder gerade deshalb lohnt es sich für jeden ernsthaft Praktizierenden, genauer hinzuschauen und dabei auch kritische Fragen zu stellen, die woanders aus falsch verstandener "political Correctness" unerwünscht sind.

Deutschland-weite Lehrer-Ausbildung Push Hands / tuishou im DTB-Dachverband Leitung Dr. LanghoffAuch bei der Tuishou-Thematik sichert meine Konzeption des "Richtig Lernens und Lehrens" den Lernerfolg und ein tieferes Verständnis für den Umgang mit Krafteinwirkung auf den eigenen Körper und den des Antagonisten. Theorie und Praxis stehen bei mir in einem ausgewogenen Verhältnis, während sie in der Szene bezeichnenderweise oft auseinanderklaffen. Dieses Phänomen kommt nicht von ungefähr, sondern ist - wie ein Blick über den Tellerrand erweist - eine logische Folge der ungehemmten und höchst phantasievollen Beliebigkeit der Push-Hands-Community, die darüber hinaus noch zu erheblichen Teilen ekklektisch geprägt ist. Dieser immense Ballast gleicht dem sprichwörtlichen unentwirrbaren "Gordischen Knoten". Dabei ist ein Großteil entscheidender Fragestellungen recht einfach zu klären, wenn man sich unvoreingenommen mit den Tatsachen befaßt. Damit läßt sich dieser Knoten ein für alle Mal durchschlagen.

TUISHOU-INFO: Dr. Langhoff´s Push-Hands-EssayWenngleich Push Hands seine einstige Strahlkraft immer mehr verliert, so sollte man sich dennoch intensiv mit der Theorie und Praxis der Partnerübungen befassen. Mit dem Tuishou-Thema sind wir mittendrin im Herz des Tai Chi Chuan - und auch des Qigong. Denn bei den "Schiebenden Händen" geht es im Endeffekt um "Innere Kraft" - und damit um den Einsatz der "Qi-Energie (Fajin)" auf den Kontrahenten. Zentrale Themen sind "Sung-Entspannung", "Yin-Yang-Philosophie" und "Resilienz". Was man dazu auch wissen sollte:  "Tuishou-Meister" ist keine klar definierte Auszeichnung - die "Meisterschaft" liegt ganz klar im Auge des Betrachters.

Einführung / Zum Geleit

Dabei ist ein tiefsitzender Reflex erkennbar: Ihre eigenen Ressentiments erschweren ihnen die richtigen Entscheidungen und führen oft genug zu einem Stillstand in ihrem Umfeld. Ihre traditionelle Doktrin des "Primats der Inneren Kampfkunst Taijiquan" und der Nimbus von Unbesiegbarkeit bilden einen rückwärts-gewandten Duktus, der eigentlich niemand nützen kann - und das zeigt sich bereits an ganz grundsätzlichen Fragen (s. Push-Hands / Tuishou - Fragen und Antworten).

In der Tuishou-Szene wird das "Tuishou" bzw. das "Push Hands" typischerweise in einem Klima von Infotainment, Magie, Ehrfurcht und Verheißung behandelt. Ich grenze mich davon ab mittels meiner Methode des "Richtig Lernen und Lehrens".  Ich empfehle mein unromantisch-nüchternes Lehr-Modell als einen Königsweg, der ganz ohne jeden Okkultismus und ganz ohne Folklore-Ballast auskommt. Er ist für jeden geeignet und durch seine permanente Lernkontrolle hoch-effizient . In diesem Artikel möchte ich dies an einigen ausgewählten Punkten erläutern. Mein Bericht enthält eine Zusammenfassung weitverbreiteter Fehleinschätzungen und längst widerlegter Vorurteile zur "bekanntesten und wichtigsten Taijiquan-Partnerübung".

Wohl in keinem Bereich ist der "Guru-Nimbus" tiefer verwurzelt als in der Push-Hands-Sparte mit ihrem Narrativ der "Inneren Qi-Kraft". Protagonisten von Heilslehren und Lobbyisten unterschiedlichster Couleur malen ihre geschönten Qi-Welten von vorgeblicher Unbesiegbarkeit mit aufgeblasenem Show-Spektakel, welches in seiner Künstlichkeit um so mehr beeindruckt je willfähriger die Partner der Meister mitspielen. Vielleicht sind ja deswegen unter den Tuishou-Lehrenden so viele aus dem Theater-Bereich und so wenige gute Kampfkünstler?

Bei Internet-Recherchen kann jeder ohne viel Aufwand erkennen, daß die Schlagwörter "Tuishou" bzw. "Push-Hands" einen "Kult-Status" genießen. Das bedeutet, sie werden klar dominiert von Anhängern des längst überholten und widerlegten "Wudang-Shaolin-Mantras". Dazu gehören in erster Linie loyal ergebene Angehörige von Heilslehren und rührige Vertreter von Lobby-Organisationen. "Mobrule-Spin" und "flash-Mob-Videos" gehört zu dem professionell eingesetzten Handwerkszeug dieser "Szene".


1.0. Definitionen von Tuishou / Push-Hands als Zweikampf-Übung

Leider erschweren unterschiedliche Definitionen der Zweikampf-Methoden die sachliche Auseinandersetzung mit desem hoch-spannenden Thema. Auf die Frage "Was genau ist Tuishou (Push Hands)?" gibt es divergierende Antworten - je nachdem, wen man fragt. Im Endeffekt ist nur eins klar: Der Term "Push-Hands" bedeutet dasselbe wie "Tuishou" - und diese englische Übersetzung des chinesischen Fachworts ist ein international gebräuchlicheres Synonym.

Dazu kommt: Ein Großteil der in der Community Definitionen angebotenen "Erklärungen" ist leider in hohem Maße unqualifiziert - und sagt mehr über den Urheber aus als über die Sache selbst. Es gilt leider auch hier oft das chinesische Sprichwort: Wer nicht weiß, daß er nicht weiß, glaubt zu wissen!

In engem Zusammenhang mit Tuishou-Definitionen stehen die zahlreichen Irrlehren und Mißverständnisse. Dieser Bereich wird von meinen Kollegen allerdings nicht für wichtig gehalten. Sucht man etwa in Google danach, so werden Push-Hands-Seiten gelistet, in denen diese Thematik gar nicht vorkommt - mit dem bezeichnenden Hinweis "Es fehlt: irrtümer". Doch die rege Nachfrage bei mir zeigt den weiterhin großen Bedarf (s. dazu auch den Bezug zu den "Taiji-Essentials" hier: Tai-Chi-Prinzipien / Tuishou / Push-Hands-Irrtümer). Update hier: Kampfkunst / Tuishou / Push-Hands-Irrtümer.

 1.1. Definition in Wikipedia

Viele schöpfen ihr "Tuishou-Fachwissen" offenbar aus den Denkschablonen und Klischees des Internets beispielsweise der Wikipedia-Definition, die bekanntlich jeder mitbestimmen kann, selbst wenn sein Blick durch keinerlei Sachkenntnis getrübt ist. Oft gilt auch hier der Spott: Die Statements enthalten viel neues und gutes - aber das gute ist nicht neu und das neue ist nicht gut!

Dieser bekanntesten und beliebtesten Internet-Enzyklopädie selbst scheint ihre "Beliebigkeit" und die daraus resultierenden Defizite an Fachwissen selbst peinlich zu sein, denn bei etlichen Einträgen dieser Art moniert sie das Fehlen von Nachweisen und weist auf eine mögliche Löschung hin. Doch man merkt schnell: Diese Art von "Wiki-Entrüstungskultur" ist nur ein hilfloses Feigenblatt - und so warten wir weiter auf die Löschung unbelegter und irreführender Glaubenssachen.

1.2. Definition in der Szene

Rasch findet auch "Wiki Mob-Rule-Spin" den Weg in die Echo-Kammern der Push-Hands-Community. Ihre Denkweise ist bestimmt durch die angemaßte Deutungshoheit interessierter Taijiquan-Qigong-Zirkel der "Inneren Kampfkünste", die beschwingt durch ihre Esoterik-Folklore eine vermeintliche Sonderstellung und Einzigartigkeit reklamieren . Ihre  Top-Mantras sind die "Wudang-Shaolin-Doktrin" und das Dogma vom Chen-Stil-Taijiquan als überlegene originäre Neijia-Gußform, aus der Stilarten wie Wu, Wu-Hao und Yang sich erst entwickeln konnten. Zu ihren Top-Protagonisten zählt kein geringerer als Altmeister Yang Chengfu persönlich, der befangen im damaligen Zeitgeist  sein Taijiquan bekanntlich als Weg zur Unbesiegbarkeit bewarb und als erfolgreiches Geschäftsmodell in weiten Teilen Chinas etablierte.

Man kann das Standard-Klischee, gegen das ich mich wende, zunächst folgendermaßen plakativ in Einzel-Sektionen untergliedern:

1.2.1.

Tuishou (chinesisch 推手, Pinyin tuīshǒu, englisch Push Hands ‚Schiebende Hände‘), bezeichnet eine grundlegende Partnerübung, die nur in Stilen innerer Kampfkunst  vorkommt - also im Taijiquan, Bagua Baguazhang sowie Xingyiquan (als Nachkommen des ursprünglichen Stiles von Zhang Sanfeng).  Tuishou entstammt dem Chen-Stil-Taijiquan, aus dem alle anderen Stile erst entstanden sind.

1.2.2.

Es stehen sich zwei Partner gegenüber und berühren einander an Armen und Händen, während beide stetige Bewegungsschleifen ausführen, um den Antagoniste aus der Balance zu bringen.

1.2.3.

Die Spielregel lautet: Man siegt durch Nachgeben; das bedeutet, daß die Weichheit der Härte stets überlegen ist.

1.2.4.

Im Push-Hands-Zweikampf lernt man, die durch das Üben der Solo-Form erarbeiteten "inneren Prinzipien" auch im Kontakt mit dem Gegenüber als Antagonisten umzusetzen.

1.2.5.

Beim Tuishou-Zweikampf setzt man nicht "Kraft-gegen-Kraft" sondern entwickelt "Qi-Energie" und damit die Kunst der Nachgiebigkeit, um Schaden zu vermeiden. Zudem verzichtet man auf Muskelkraft und nutzt stattdessen "Sung-Entspannung". Dabei gilt die "Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)": Durch die Qi-Leitbahnen der gelockerten Körperstruktur fließt die innere Kraft "Qi", deren Fajin-Entladung den Partner wegschleudert.

1.2.6.

Das "Pushen" gilt als Lackmus-Test für die Beherrschung "Innerer Qi-Kraft" des "Wudang-Taijiquan", die sie allen "externen Shaolin-Kampfstilen" überlegen macht, denn diese nutzen nur rohe, ungeschulte Muskelkraft einzelner Körperteile.

Geschult werden u. a. auch Wahrnehmung, Reaktion, Flexibilität, Ganzkörper-Einsatz und ein fester Stand.

1.3. Meine Kritik an den gängigen Push-Hands-Interpretationen

Die in der Szene vorherrschenden Neijiaquan-Erzählmuster kritisiere ich als phantasievolle Schönfärberei - sie sind weltfremd und naiv, denn sie verzichten auf Faktencheck und lassen jeglichen Realitätsbezug vermissen. Zudem sind sie rückwärtsgewandt, weil sie auf gestrigen und längst widerlegten Vorurteilen beruhen.

Ich habe bereits an anderen Stellen detailliert aufgezeigt, daß solche oberflächlich-romantischen Begriffsbetimmngen ungesichert und in großen Teilen falsch sind. Ihr Ziel fundierter Aufklärung verfehlen sie somit bei weitem. Mehr noch: Sie bilden eine Sackgasse, die den Blick auf die wahre Tiefe und die "Essentials" solcher Partnerübungen verstellt - jedenfalls vom Blickwinkel traditioneller Wushu-Philosophie des Siegens.

Slogans von "Folgen", "Anhaften / Kleben", "Ableiten" und "sich selbst aufgeben" lenken von wesentlich entscheidenderen Prämissen asiatischer Kampfkunst ab. Tuishou verstanden als "klebende Hände" setzt fatalerweise erst zu dem Zeitpunkt ein, in dem der Kampf längst hätte beendet sein sollen. Ich jedenfalls vertrete pragmatische Maximen wie die, daß möglichst bereits der erste Körperkontakt über Sieg oder Niederlage entscheiden sollte. Die Esoterik-Fantasien chinesischer Taiji-Dynastien bedienen fragwürdige Denkschablonen jenseits aller Realität. Sie sind für mich ganz sicher keine Lösung sondern ein Teil des Problems.

Laien lassen sich leicht vereinnahmen durch spektakuläre "Tuishou-Shows", Tricks und Kulissen-Schieberei angeblicher Push-Hands-Meisterschaften. Denn eines sollte jedem klar sein: Die Faszination beruht nicht auf Magie und ist auch keine rätselhafte Super-Kraft. Nicht einmal der esoterische Qi-Begriff des Wushu ist für Erklärungen notwendig. Eine wichtige Rolle in Theorie und Praxis spielen z. B. die Faszien, die Körperstruktur, die Eigenwahrnehmung und die Atmung. Dreh- und Angelpunkt ist die optimierte Körper-Geist-Einheit, wie sie z. B. Altmeister Yang Chengfu in seinem sechsten Taiji-Prinzip anschaulich erklärte.

1.4. Synonyme oder Differenzierung sinnvoll?

Ich behandle "Tuishou" und "Push Hands" wie allgemein üblich als Synonyme, d. h. "Tuishou" bedeutet dasselbe wie "Push-Hands". Aber ich begrüße sehr, daß eine Studiengruppe an einer interessanten Differenzierung arbeitet. Ihre innovative These: Mit "Tuishou" sollte man lediglich die Partner-Routinen chinesischer Kampfkünste bezeichnen - de facto also das Tuishou des Taijquan und dabei insbesondere die Stile des Yang-Taijiquan, Wu-Taijiquan und eingeschränkt das Chen-Taijiquan. Mit dem Terminus "Push Hands" werden hingegen Partner-Techniken anderer Kampfkunst-Stilrichtungen bezeichnet - also z. B. das "Kakie" des Okinawa-Karate oder spezielle Partner-Techniken des Aikido, Judo, Jujutsu. Es gibt, wie Forschungen belegen Unterschiede aber auch Gemeinsamkeiten.

 

1.5. Eigene Definition von "Tuishou / Push-Hands" - ein erstes Thesenpapier

Doch wie lautet nun die sinnvollste Definition mit dem besten Erklärungswert? Ich werde künftig an dieser Stelle Erweiterungen meiner Thesen publizieren.

Der Kern von Tuishou-Definitionen ist logischerweise das Charakteristikum des "Gegenübers", welches man als Partner oder Kontrahent oder Gegner interpretieren kann.

Der Begriff "Tuishou (international oft als Push-Hands bezeichnet)" bezeichnet Partner-Übungen - im engen Sinne die des Taijiquan und im weiteren Sinne die aller inneren Wushu-Stilarten. Das Gegenteil dieser Definition bilden somit die Sofo-Formen und dies dient uns als erste Abgrenzung zu dem, was Tuishou micht ist.

Die Routinen dienten historisch gesehen zum Testen der persönlichen "Inneren Kraft (Qi-Kraft)". Somit waren die Drills von anfang an eine effektive und ausgeklügelte Lernkontrolle und bildeten die methodisch-inhaltliche Klammer für die beiden Disziplinen "Tai Chi Chuan (Taijiquan)" und "Qigong".

Meine persönliche Definition kommt ganz ohne die esoterische "Qi-Konzeption" und die Beliebigkeit der Szene aus. Und ich unterscheide zwischen traditionellem Tuishou und modernem Tuishou. Eine Definition über erstes macht im Grunde wenig Sinn, weil es sich um in "Inneren Zirkeln" tradiertes Geheimwissen handelte, das heutzutage keine Rolle mehr spielt. Vergleicht man das moderne Tuishou mit dem traditionellen, so muß man genau unterscheiden zwischen den Theorie-Kriterien und den Praxis-Kriterien.

Mit Theorie meine ich die Überlieferungen der "Tai-Chi-Klassiker" inclusive der innerhalb der Yang-Familie und der Wu-Familie weitergegebenen Manuskripte. Diese haben natürlich heute wie früher ihre Gültigkeit. Doch die Praxis des modernen Tuishou verstößt eklatant dagegen. Ich habe dieses "Tuishou-Syndrom" oder "Puh-Hands-Syndrom" an anderer Stelle detailliert beschrieben.

Auch unterstütze ich die Bestrebungen des bereits erwähnten Arbeitskreises, "Tuishou" und "Push Hands" nicht länger als Synonyme aufzufassen, sondern sie unterschiedlich zu definieren.


2.0. Tuishou-Übungen

 mit und ohne Partner

In östlichen Übesystemen haben wir häufig ein Yin-Yang-Miteinander von Solo-Form und Partnerübungen. Dann  stellt sich unweigerlich die Gretchenfrage nach der gegenseitigen Abhhängigkeit und dem Zusammenwirken dieser Teil-Sparten. Die Taiji-Lehrer-Community ist grob gesagt gespalten in zwei Lager: Die einen verzichten ganz auf das Unterrichten der Zweikampf-Techniken während die anderen die Routinen in ihr Curriculum einbeziehen - entweder erst später nach dem Form-Unterricht oder parallel dazu. Obwohl das erstere Lager seine guten Gründe hat, so gilt dennoch: Push-Hands-Unterricht ist extrem hilfreich für das tierfere Verständnis östlicher Künste - vorausgesetzt, es wird korrekt gelehrt und erlernt.

2.1. Tuishou-Partnerübungen als Gegenpol zur Tai-Chi-Solo-Form

Während die Taiji-Solo-Form geeignet ist, "sich selbst zu kennen" dienen Tuishou-Partnerübungen vorrangig dazu, das Gelernte umzusetzen und "den anderen zu kennen" - und zwar ohne sich dem Anderen zu erkennen zu geben. Strategie und Taktik werden an die jeweilige konkrete Situation angepasst, denn Ziel ist "Wu-Wei", die Präsenz in der Gegenwart und die "mentale Kontinuität", ohne den Partner-Kontakt zu verlieren. Eminent wichtig ist der strukturiert-aufbauende Plan, damit keine Zwischenschritte ausgelassen werden. Denn sonst kann das hoch gesteckte Ziel, mit Weichheit die Stärke zu überwinden, nicht erreicht werden.

2.2. Die Rolle des Partners als Angreifer und Verteidiger

Der anspruchsvollen Partnerrolle gerecht zu werden ist nicht einfach. Viele scheitern daran, ein "Hilfsmittel für den anderen" zu sein und bloßes "Folgen" und "Kleben" zu üben. Auch beim Tuishou gilt selbstredend das "Yin-Yang-Prinzip" und seine ganzheitliche Philosophie. Die Rollen des Agierenden und des Reagierenden wechseln zwar, aber sie sind klar unterschieden - sowohl in der Körperarbeit als auch in der geistigen Haltung. Diese Struktur gilt es, stetig zu verfeinern und zu vervollkommnen. Es geht sozusagen, um die "höchste Einheit" gemäß der Taiji-Monade - der Partner wird nicht als Gegner gesehen sondern als notwendiger Gegenpart.

2.3. Tuishou als "Qi-Test mit Partner"

Eingangs sagten wir: Das chinesische Tuishou bedeutet "Schiebende Hände" und gehört nicht ausschließlich zum Taijiquan sondern auch zum Qigong, denn es geht dabei ja immer um "Jin" und "Fajin" also den Einsatz Innerer "Qi-Energie". Die Entwicklung dieser Inneren Kraft kann durch zwei unterschiedliche, sich ergänzende Methoden trainiert werden - mit Partner und ohne Partner. Die signifikante Gemeinsamkeit ist die möglichst vollständige geistig-körperliche Entspannung (chinesisch SUNG). Wichtig zu wissen: "Sung" ist lediglich die Methode und nicht das Ziel. Die inhaltlliche Klammer: Bei beiden Wegen gelten die Tai-Chi-Prinzipien. Sie stammen aus den "Saltshop-Manuals" und wurden seinerzeit von den Taiji-Meistern Wu Yuxiang und Yang Luchan weiterentwickelt zur Umsetzung im Training und in der Selbstverteidigung.


3.0. Push-Hands-Sparte in Verbänden - DTB-Besonderheiten

Die unvoreingenommene Beschäftigung mit den Tuishou-Partnerroutinen wird heutzutage leider erschwert durch das Schwinden der früheren Debattenkultur, die leider auch bei zahlreichen Organisationen des Tai Chi und Qigong zu beobachten ist. Eine besondere Rolle kommt daher dem DTB-Dachverband zu. Er ruft auf zu mehr Sachverstand und Unvoreingenommenheit.

3.1. Die Situation

Den früher nur an auserwählte Schüler weitergegebenen Zweikampf-Techniken haftet auch heute noch etwas magisch-mystisches an - um nicht zu sagen "quasi-religiöses". Vielerort herrscht auch heute noch eine Art von Korpsgeist, der unbedingten Zusammenhalt fordert. Mit diesem "Glauben-Müssen" möchte ich nicht verwechselt werden, denn meine Maxime heißt bekanntlich "Wissen Wollen"

Auch in Deutschland herrscht eine beträchtliche Intransparenz, die durch die Heilslehren und Lobby-Verbände noch verstärkt wird. Vergleiche der Qualität gestalten sich insbesondere für Laien schwierig. Der DTB distanziert sich u. a. von sogenannten "Traditionellen Push-Hands-Ausbildungen".

Organisationen für Heilslehren und Lobby-Verbände im Bereich Taijquan und Qigong propagieren durchweg einseitig-voreingenommene Auffassungen, die zudem zahlreiche leicht korrigierbare Irrtümer enthalten. Ihre "Spin-Doktoren" deklarieren dieses Defizit gern als "traditionelle innere Kampfkunst" - und fremdeln bei Faktencheck und ideologie-freier Forschung. Doch immer mehr Praktizierende erkennen diese Unsitte als Irrlehre und damit als Sackgasse.

Entsprechend lautet ein immer wiederkehrendes anerkennendes Lob aus der Community: Beim DTB-Dachverband wird vieles im Detail erklärt und erörtert, was man bei anderen Vereinigungen so garnicht sagen darf, weil es nicht "ins Bild paßt". Und da ist etwas dran, denn die DTB-bundesvereinigung setzt dem gängigen Guru-Nimbus und der einschränkenden "politischen Korrektheit" höchst erfolgreich sein Korrektiv entgegen, das ohne solche "blinden Flecke" auskommt.  Der DTB ist geprägt von einer "Community mit Weitblick". Durch die Allianz mehrerer namhafter Organisationen ist sie gerade in letzter Zeit erheblich gewachsen und hat ihre Arbeit auf zusätzliche Sektionen ausweiten können.

3.2. Aufklärung durch die Verbände tut not

Im alten China existierte ein Dreiklang von Tai Chi Chuan, Qigong und Tui Shou mit dem Ziel der Entwicklung der inneren "Qi-Kraft". Bei dieser spirituell-energetischen Denkweise bestand seit jeher eine innige Verbindung zu Meditation, Kampfkunst und ganzheitlicher Gesundheit. Viele Menschen der heutigen Zeit sind bestrebt, an diesem ebenso reichhaltigen wie herausfordernden Potenzial teilzuhaben.

Die Tuishou-Partner-Übungen sind dafür ein gangbarer und empfehlenswerter Weg - vorausgesetzt, sie werden korrekt erlernt und regelmäßig betrieben. Allerdings gibt es einen "Wermutstropfeh": Das moderne Push-Hands hat mit der realistischen Selbstverteidigung der ursprünglichen, traditionell gelehrten Tuishou-Partner-Drills nur noch wenig gemeinsam (Quelle "Mastering Traditional Push-Hands-Patterns"). Dadurch verringert sich ganz automatisch natürlich auch der eigentliche Wert als Gegenpol zur Solo-Form. Es ist daher hilfreich, zwischen traditionellem Tuishou und modernem Tuishou zu unterscheiden.

Doch Anbieter ist nicht gleich Anbieter und die Berufsbilder und Profile der Lehrenden sind uneinheitlich. Das bedeutet: Bei der Wahl der passenden Schule kann der Nicht-Fachmann viele Fehler machen. Allzuviele Lehrer übernehmen die traditionell-historischen Anschauungen ungeprüft in ihren Unterricht, ohne sich der damit verbundenen Mängel und Defizite bewußt zu sein. Dies gilt sowohl für das Mutterland China als auch für den Westen.

Angesichts solcher Sackgassen bleiben innere Weiterentwicklung und innere Unabhängigkeit vielfach auf der Strecke. Aber durch Aufklärung, Alternativen und Korrektive kann der weit verbreiteten Unsicherheit und Frustration am besten entgegengewirkt werden. Das Langhoff´sche Korrektiv dient als Motor für mehr Transparenz, Faktencheck und westliche Standards der Erwachsenenbildung.

3.3. "Fajin" und "Tuishou" - die neue gemeinsame Sparte im DTB-Dachverband

Die neue Sparte im DTB-Dachverband heißt "Fajin und Tuishou". Das Besondere dieser neuen Abteilung, die aus zwei Arbeitskreisen hervorging, ist die übergeordnete Sehweise zu zwei zentralen Fachthemen chinesischer Kampfkünste wie Taijquan. Durch die innovative Zusammenlegung können Gemeinsamkeiten und Unterschiede besser erkannt und genutzt werden. Durch diesen "Blick über den Tellerrand" ergeben sich häufig neue Zusammenhänge ein. Ein zentrales Thema ist "Resilienz". Weiterlesen: http://www.tai-chi-qigong-verband.de/fajin-tuishou.html. Mehr zum stilarten-übergreifenden DTB-Rahmenplan "Resilienz-Tuishou" über das "moderne Pushhands hier: Ausbildung Hannover: Blockmodule PLZ 2, 3, 4 Bildungsurlaub.


4.0. Graduierungen: Tuishou-Meister, Taiji-Dynastien und Wushu-Verbände

Im östlichen Kulturkreis gibt es eine Fülle von Bezeichnungen, mit denen Schüler ihre Lehrer anreden. Bekannt sind "Guru" (indisch), "Sensei" (japanisch), "Shifu" und  "Laoshe" für das chinesische Wushu bzw. Kungfu.

"Push-Hands-Meister" ist keine klar definierte verbindliche Auszeichnung. Ich werde oft zu chinesischen Meister-Graduierungen wie beispielsweise "Sifu" oder "Laoshe" befragt - es gibt ja neben der üblichen Auszeichnung "Meister" bekanntlich noch Bezeichnungen wie "Großmeister" und "Altmeister". Oft hört man auch den Titel "Lehrmeister". Sie alle bedeuten "Meisterschaft" - in unserem Spezialfall im Wushu bzw. Kungfu. Und es gibt auf dem steilen und steinigen Weg zur Meister-Stufe die Vorstufe "Lehrer". Bildquelle: Meister werden: Tai Chi Qigong (Doku: "Taiji-Meister, Qigong-Meister: Dr. Langhoff über Graduierungen im chinesischem Wushu / Kungfu").

Chinesische Vereinigungen haben alle ihre eigenen Prozeduren und Kriterien für Meisterschaft und Linienhalterschaft. Das gilt auch für für Tai Ch und Qigong. Allen voran natürlich die jeweiligen Familien-Dynastien.  Traditionell erlangte man ja quasi durch Geburt Teilhabe an einer Meister-Dynastie. Eine übergreifende Transparenz geschweige denn eine Einheitlichkeit ist für mich nicht erkennbar. Dabei wäre eine Verifikation jenseits von Machtgefügen hinter geschlossenen Türen doch durchaus etwas Vorteilhaftes.

Meine persönliche unromantische Beurteilung der Verehrung des Meister-Titels möge indes niemanden entmutigen, denn östliche Wege zu beschreiten, halte ich ja grundsätzlich für eine sehr empfehlenswerte Einstellung, aber man sollte die Dinge sehen, wie sie nun einmal sind und nicht angestrengt beiseite schauen. Protagonisten von Selbst-Inszenierung, Hypes und Handelsware haben längst das Ruder übernommen - bezogen auf letzteres könnte man bereits von einer "Taiji-Qigong-Amazonisierung" sprechen. Ihre Devise: "Der Wurm soll dem Fisch schmecken - und nicht dem Angler"!


 

5.0. Tuishou und Innere Kampfkunst Taijiquan - Die "Unbesiegbarkeit"?

Ihren Wert verdanken die Tuishou-Routinen der Dynamik ihrer ausgeklügelten "Martial-Arts-Internals", die eine unvorteilhafte Situation in eine dominierende wandeln - ganz so wie es die Wushu-Prämisse vorgibt.

Doch das moderne Push-Hands hat mit der realistischen Selbstverteidigung der ursprünglichen, traditionell gelehrten Tuishou-Partner-Drills nur noch wenig gemeinsam. Dadurch verringert sich ganz automatisch natürlich auch der eigentliche Wert als Gegenpol zur Solo-Form.

Traditionelles Taijiquan gliedert sich in fünf Hauptstile und die Tuishou-Partner-Routinen sind sozusagen ihre "originäre DNA". Doch diese historisch-technisch motivierte Sehweise verliert heutzutage immer mehr an Relevanz. Zudem ist viel von dem ehemaligen Wissen bzgl. der "Internals" verlorengegangen oder wird nicht öffentlich unterrichtet.

5.1. Tuishou und Innere Kampfkunst Taijiquan -

Vielen Praktizierenden gilt ihre Disziplin als eine Art "Königsweg zur Unbesiegbarkeit". Diese besonders von chinesischen Taiji-Meistern propagierte Sehweise beruht auf dem "Qi-Mantra" der Taiji-Klassiker und ihrer berühmtesten Protagonisten. Ich kritisiere diese "gefühlten Fakten" als Hindernis bei der doch so nötigen unvoreingenommenen Selbsteinschätzung. Sie sind unzureichend und sogar ungeeignet für das eigene Weiterkommen. Für mich persönlich sind innere Kampfkünste (von denen es ja viel mehr Stilarten gibt als nur das Taijiquan) der Königsweg dazu, die Dinge zu sehen, wie sie sind - ganz nüchtern jenseits allen Wunschdenkens. Grund genug, einen Blick hinter die romantischen Kungfu-Kulissen zu werfen und sich einmal detaillierter mit dem spannenden Bereich zu befassen, der als grundlegend für "Chinese Martial Arts Internals" gilt.

In der heterogenen Tuishou-Gemeinschaft gibt es neben den vielen Unterschieden auch bei den Schulen eine leider bezeichnende Gemeinsamkeit: Das Fremdeln mit realistischen Anwendungen und der Verzicht auf die wirklich effektiven Strategien und Taktiken. Tabuisierung solcher Bereiche mag für manche Verbände, Schulen und Lehrende eine dringend gesuchte Lösung darstellen, aber sie machen sich genau damit zu einem Teil des Problems. Siehe dazu auch die kläglich gescheiterten Herausforderungen angeblicher "Tuishou-Meister" im Mutterland China. Und der DTB-Zentralverband empfiehlt Lobbyisten und Eso-Gurus gleichermaßen ein radikales Umdenken weg von ihren Fiktionen und Illusionen. Diese Art von phantasievollem Wunschdenken ist im Zeitalter des Faktenchecks nicht mehr zeitgemäß. Die DTB-These: Einseitig Lehrende aus dem Lager der Esoteriker und Lobbyisten würden in ener aufgeschlossenen Gesellschaft immer weniger gewünscht. Sie sollten das Repertoire ihres Spielplans kürzen - zumindest um den Spitzenreiter "Des Kaisers neue Kleider"!

5.2. Tuishou und das Mantra von Unbesiegbarkeit und "Qi-Einzigartigkeit"

Zu den Lieblings-Dogmen der Taijiquan-Szene zählt die Behauptung, Tuishou wäre eine sinnvolle praktikable Hinführung zur Taijiquan-Kampfkunst. Oft wird damit gleich das zweite falsche Dogma verknüpft, Tui Shou gäbe es in anderen Kampfkünsten nicht. Die Absurdität solcher weltfremder Erzählmuster hat unlängst das Duell zwischen Mixed-Martial-Arts-Fighter Xu Xiaodong und Taiji-Meister Wei Lei (3. Generation Yang-Stil) schonungslos aufgezeigt. Zudem sollte man wissen: Traditionelle chinesische Kampfkünste und ihre Meister haben im Mutterland oft nicht gerade die beste Reputation.

So hält sie der Mixed-Martial-Arts-Fighter Xu Xiaodong das Kungfu / Wushu für eine "Lüge" und für "aus der Mode gekommen", wobei er besonders Taijiquan meint. Die Kenntnisse der Meister seien praktisch allesamt "Fakes" und es gäbe eine maßlose Selbstüberschätzung. "Self-Brainwashing" und "delusions (Wahnvorstellungen)" seien die Regel. Beispielhaft habe er die Qi-Fakes des Taiji-Meisters Wei Lei anprangern wollen mit seiner Herausforderung, die bereits nach wenigen Sekunden zu einer Niederlage Wei Leis führte. Die Chinese Wushu Association als führende Organisation protestierte offiziell mit einer 3000-Worte-Stellungnahme: Xus Verhalten sei gegen die Wushu-Ethik und lasse jeden Respekt vermissen.


 

6.0. Push Hands im größeren Kontext

6.1. Historie

Über die Tuishou-Historie ist bis heute nichts Gesichertes bekannt - klar ist indes, daß Partnerübungen den Kernbereich jeder ernsthaft betriebenen Kampfkunst bilden und daß es unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und Methodik-Stufungen geben muß. Push-Hands-Techniken bildeteten bereits die Grundlage des Trainings von Stil-Begründer Yang Luchan, seinen Söhnen Yang Banhou und Yang Chienhou. Auch dessen Söhne Yang Shaohou und Yang Chengfu waren für ihre Tuishou-Fähigkeiten berühmt. Und letzterer war es ja, der Tuishou in weiten Teilen Chinas verbreitete. Bekannt wurde Tuishou später weltweit u. a. durch Videos mit Fu Zhongwen, Zheng Manqing (Cheng Manching) und die Übungsanleitungen von Yearning K. Chen (Chen Yenlin).

6.2. Yin-Yang-Philosophie des "Händeschiebens"  

Yin-Yang-Philosophie g im Tuishou und Fajin - Dr. Langhoff erklärtAuch die Tuishou-Routinen werden selbstredend geformt durch das "Yin-Yang-Prinzip" mit seiner ganzheitlichen Philosophie des stetigen Wandels. Doch viele scheitern genau an diesem Punkt. Gemäß der übergreifenden Taiji-Einheit lassen sich beide Partner mit einem vierfüßigen Tier vergleichen. Bei vielen komplexen drei-dimensionalen Bewegungsschleifen führen beide unterschiedliche - also nicht-gespiegelte - Bewegungsmuster aus, die sich komplementär ergänzen wie die Taiji-Monade. Gemäß deren "Augen" gebiert das eine das andere in einem beständigen Wandel. Dabei bedingt die Sinus-Kurve ein stetig-dynamisches Anschmiegen und Anpassen mit höchster Präzision und Flexibilität.

6.3. SUNG-Entspannung als "Supra-Leiter"

Ich veranschauliche die Ganzkörper-Verkettung der  "Sung-Entspannung" gern mit der Metapher eines "Supra-Leiters", in dem ein ungehinderter Fluß ohne Reibungsverluste besteht. Zum einen ermöglicht der entspannt-gesunde Muskel-Tonus beim Fajin eine vollständige Energie-Durchleitung ohne Einbußen und zum andern ermöglicht er beim Tuishou ein höchst empfindsames "Hören" der Partner-Strategien und seines Kraftflusses. Quelle: Sung-Entspannung für Innere Kraft..

6.4. Dalü - Das "Große Ziehen"

Dalü - das große Ziehen - Push-Hands kostenlos lernen mit DownloadsEine spezielle Tuishou-Technik ist das "Dalü (Grosses Ziehen). Seine Attraktivität verdanken die Dalü-Routinen der Dynamik ihrer ausgeklügelten "Internals", die eine unvorteilhafte(Kampf-) Situation in eine dominierende wandeln - ganz so wie es die Wushu-Prämisse vorgibt. Dalü-Techniken gehörten bereits zum Curriculum von Yang Chengfu. Bekannt wurden sie u. a. durch Videos mit Fu Zhongwen und die Fotos von Yearning K. Chen. Dem Dalü vergleichbare Übungen gibt es nicht nur (wie oft behauptet) im Taijiquan sondern in zahlreichen anderen Systemen - beispielsweise im japanischen Jujutsu. Deren Prinzipien sind nach meiner Meinung klarer überliefert und besser erhalten als in China. Ich habe dazu eine Studygroup gegründet, die Übungsanleitungen sammelt, auswertet und vergleicht in Puncto Historie, Effizienz und zugrundeliegend Prinzipien. Die oberflächliche Technik sollte man davon klar abgrenzen und getrennt untersuchen.

6.5. Faszien-Qigong, Fajin und Tuishou

In der "Taiji-Qigong-Community" Deutschlands fehlt durchweg die nötige Balance von Forschung und Lehre. So werden im Tuishou-Unterricht die z. T. bahnbrechenden Ergebnisse der neuen Faszien-Forschung durchweg nicht eingearbeitet. Unter dieser zögerlichen, abwehrenden Einstellung leiden natürlich auch Tuishou-Lehrer-Ausbildungen. Es ist leider keine nachhaltige Abkehr von überkommenen und längst widerlegten "Qi-Irrtümer" zu beobachten. Diesen unhaltbaren Zustand gilt es zu bekämpfen - mein "Faszien-Qigong-Programm" eignet sich dafür optimal (Quelle: Push Hands (Tuishou) Treffen, Training, Ausbildung).

Tuishou, Nairiki Naihanchi-Kata Wado-RyuBeim richtig geübten Pushhands wird gespeicherte Energie freigesetzt. Neuere Forschungen belegen die wichtige Rolle des Bindegewebes bei solchen Partner-Übungen wie Fajin oder Tuishou. Gut trainierte Faszien-Formationen und Verkettungen können Energie speichern und wieder freigeben! Forschungen belegen eindeutig: Faszien vernetzen den gesamten Körper, fördern durch ihre hohe Zahl an Rezeptoren die Propriozeption (Eigenwahrnehmung). Im Zusammenspiel mit dem Skelett und der Muskulatur entsteht ein "Dreiklang" - eine einzigartige Elastizität, die in der Kampfkunst die Basis für gutes Kämpfen darstellt. Die Ergebnisse solcher Faszien-Forschung zeigen überzeugend auf, dass ein esoterisch-magischer Bezug auf "Qi-Konzepte" zur Erklärung unnötig ist. Der Dt. Taichi-Bund - Dachverband für Taiji und Qigong e. V. erstellt eine Serie von kostenlosen Multimedia-Stundenverlaufsplänen für Lehrer über die Zusammenhänge von Faszien, Qigong und Pushhands. Quelle: Lehr-DVD-Erstellung mit Qigong-Meisterin Chen: Qigong-Ausbildung Hamburg.

6.6. "Fajin" und "Tuishou (Pushhands)" - Die "Hart-Weich-Einheit"

Die beiden grundlegenden chinesischen Fachtermini "Fajin" und "Tuishou" gehören gleichermaßen zum Markenkern des Taijquan und Qigong. Thematisch übergreifend verbunden sind alle vier Bereiche durch die Idee von "Lebenskraft / Innerer Kraft" (s. Lebenskraft und Qigong). Korrektes und regelmäßiges Training fördert "soft skills", die im beruflichen wie im privaten Alltagsleben von großem Vorteil sein können.

Yin-Yang-Philosophie im Tuishou und Fajin - Dr. Langhoff erklärtZweifacher Einsatz von Faszien-Qigong: Ein wichtiges Bindeglied - und das im Wortsinne - sind die Faszien. Ihre Doppel-Rolle ist ein exzellentes Beispiel für eine gelungene Yin-Yang-Ganzheit. Es geht um eine hochinteressante "Hart-Weich-Einheit: Gut trainiertes Bindegewebe ermöglicht es, bei Bedarf ganze myo-fasziale Verkettungen komplett abzuschalten, um dem Partner das Erspüren des Zentrum zu erschweren. Und gut trainiertes Bindegewebe ermöglicht andererseits eine blitzartige Ganzkörper-Vernetzung und die Fajin-Freisetzung vollständig ohne jede Reserve. Dieser optimierte Einsatz erfolgt blitzartig und sozusagen ohne Vorwarnung. Das Abrufen von Explosivkraft exakt zu dem Zeitpunkt, in dem sich der Partner in einer ungünstigen Situation befindet, ist der Schlüssel zum Erfolg - nicht nur im Kampf oder sportlichem Wettkampf sondern auch im täglichen Leben. Dieser "Alltagstransfer" östlicher Übesysteme war für mich über 50 Jahre durchweg tägliche Motivation.


7.0. Internationale Push-Hands-Treffen Hannover des DTB  - Korrektiv und Distanzierung

Die DTB-Treffen sind integraler Bestandteil der Aus- und Fortbildungen unter der Ägide der bundesweiten DTB-Schulungsstätte "Tai Chi Zentrum Hamburg ev". Dieses bereits 1989 gegründete gemeinnützige Institut kann man nach nunmehr 30-jähriger erfolgreicher Tätigkeit als "Lehrerschmiede Deutschland" bezeichnen.

7.1. Push-Hands-Meetings in Deutschland

Die gut vernetzte Taijiquan-Community veranstaltet seit vielen Jahren Push-Hands-Treffen unterschiedlichster Art. Das Spektrum umfaßt regional, überregional und international stattfindende Events. Zu einem großen Teil sind sie leider geprägt durch Vertreter von Heilslehren und Lobby-Organisationen. Aber es gibt ein Korrektiv: In jedem Quartal eines Jahres finden seit 2000 in der Nordheide (Region Hannover Push-Hands-Treffen statt. Lesen Sie hier, was diese Zweikampf-Events von anderen Veranstaltungen unterscheidet: Push-Hands-Treffen Region Hannover.

DTB-Dachverband: Push-Hands (Tuishou) Internationaler Austausch, Treffen Events, Training, VorträgeAls Alternative zu einseitig-geschönten Ideologien der Szene hat der DTB-Dachverband bekanntlich sein Korrektiv entwickelt und seit 1996 umgesetzt.  Dieses Konzept des "Richtig Lernen und Lehrens" liegt auch den von mir geleiteten "Internationalen Push-Hands-Treffen" zugrunde. Sie finden seit 2001 in der Region Hannover / Nordheide statt. Siehe dazu auch die Distanzierung zu den Hannoveraner-Meetings des Tai-Chi-Studios unter Leitung von Nils Klug. Meine Schüler kommen aus über 40 Ländern und bilden eine wahrhaft internationale Community. Feedback und Seminar-Kalender hier: Internationale Push-Hands-Treffen Hannover..

7.2. Push-Hands-Meetings des DTB - der Stundenplan der Intensiv-Wochen

Während der Intensiv-Wochen wird bereits morgens um 7 Uhr die Yang-Stil-Taiji-Form gelaufen. Den ganzen Vormittag über wird teils in Kleingruppen und teils im Plenum gearbeitet. Nach der Mittagsprause erfolgt von 14 Uhr bis 15.45 das "Freie Üben", bei dem jeder Teilnehmende teils für sich und teils in Kleingruppen das bis dahin Erlernte nachbereiten kann. Den Rest des Nachmittags werden Fragen durchgesprochen und weitere Themen behandelt. Nach dem Abendessen geht es bis 21 Uhr weiter - meist mit Nachbereiten des Lehrstoffs und mit Lernerfolgskontrollen. Am Montag, dem Anreise-Tag, beginnt das Treffen offiziell erst um 14 Uhr und am Freitag, dem Abreise-Tag endet das Treffen mit dem gemeinsamen Mittagessen bereits um 12 Uhr.

7.3. Push-Hands-Ausbildung im DTB ev

Der Leiter der DTB-Ausbildung ist Dr. Langhoff. Er ist international bekannt und als Experte auf seinen Fachgebieten einschlägig ausgewiesen. Dazu gehört ein ganzes Spektrum an Tuishou-Routinen. Eines seiner Verdienste ist der Faktencheck und die De-Mystifizerung der "Qi-Energie". Dr. Langhoff gilt vielen als Motor einer neuen inspirierenden Entwicklung hin zu mehr weltanschaulicher Neutralität. In seinem Amt als DTB-Geschäftsführer hat der promovierte Philologe umfängliche Erfahrungen sammeln können mit anderen Vertretern von Organisationen der Bereiche Heilslehren und Kampfkunst / Kampfsport.

7.4. Heimstudium mit Erfolgskontrolle

Siehe Extra-Bericht. Weitere Infos hier: Ausbildung Push Hands / Tuishou deutschland-weit im Dachverband (Modularisierter Block-Unterricht: Leitung Dr. Langhoff, Träger DTB-Dachverband).  Der Block-Unterricht ist anerkannt als DTB-Lizenzverlängerung.

7.5. DTB-Eventkalender / Planungen / Inhalte

  1. Push-Hands-Treffen 2019: Dalü gemäß Fu Zhongwen
  2. Push-Hands-Treffen 2020: Tuishou-Basics gemäß den Tuishou-DVDs
  3. Push-Hands-Treffen 2021: Tuishou-vertikal, Tuishou-horizontal, Dalü-Varianten.
  4. Push Hands / Tuishou - "Richtig Lernen und Lehren" statt Esoterik-Folklore: Internationale Push-Hands-Treffen Region Hannover

7.6. Bestnoten für die Push-Hands-DVD

 Es gibt eine DVD begleitend zum Artikel (s. MULTIMEDIA: DVD über Push Hands (Tuishou) - Treffen, Mitschnitte, Trainings-Anleitungen, Tuishou-Routinen mit wechselnden Partnern). Die DVD erreichte mehrfach die Bestnote "5" bei den Beurteilungen.


8.0. Wettkämpfe / Turniere und ihre Reglements

Die an Wettbewerben Teilnehmenden bezeichnen sich typischerweise als "Wettkämpfer", "Sportler" oder "Spieler". Sie messen sich im Wettkampf und unterliegen einem komplizierten und oft nicht sachkundig ausgearbeitetem Regelwerk. Auch unterscheiden sich die Regularien weltweit erheblich.

Die "International Competition-Rules" betreffen den Rahmen von Turnieren und legen die wichtigsten Punkte fest. Sie umfassen weit mehr als das gegenseitige Bestreben, den Antagonisten innerhalb des Ringes zu Boden zu bringen oder ihn aus dem Ring zu werfen bzw. zu schieben.

Es liegt in der Natur der Sache, daß Wettkampf-Regeln ein steter Punkt des Anstoßes sind und zu zu erhitzten Debatten führen können. Denn letztlich entscheidet oft das Regelwerk über Sieg oder Niederlage.

Hier wichtige Punkte, die zu den Regularien gehören: Kampfrichter-Etiquette, Kampfzeit, Bekleidung, verbotene Techniken, Auswahl-Kriterien der Kämpfer (Poolverfahren, Gewichtsklassen, Geschlecht, Bewegter Stand, fixer Stand etc) und natürlich Regularien für die Punktvergabe inclusive Strafpunkte. Teilnehmende tun also gut daran, sich mit dem "Geist der Regeln" und nicht nur mit ihrem Wortlaut zu befassen.

8.1. Schiedsrichter und teilnehmende Kämpfer

Wie zahlreiche Beispiele zeigen - auch solche, die durch Videos dokumentiert sind - sind zudem die Schiedsrichter oft unqualifiziert und unerfahren in ihrem Metier (!). Daß dies bei den Teilnehmenden und Zuschauern nicht gerade vertrauensbildend wirkt, liegt auf der Hand und ist einer der Hauptgründe für mangelnde Akzeptanz solcher Events.

Aber auch die Kompetenz der teilnehmenden Kämpfer läßt oft viel zu wünschen übrig - und die "Expertise" liegt auch hier "im Auge des Betrachters". Wer schon einmal Tai Chi Push Hands-Wettbewerbe gesehen hat oder Video-Mitschnitte, kennt das häufige Phänomen, daß Kraft gegen Kraft gesetzt wird - ohne jede Berücksichtigung der klassischen Vorgabe von "Vier Unzen besiegen tausend Pfund". Auch der technische Hintergrund der Teilnehmenden ist nicht immer Taijiquan sondern oft auch Aikido, Judo, Jujutsu, Wrestling etc.

8.

Hinteres Bein innere Kraft

Viele Tui-Shou-Praktizierende üben "eindimensional" - und damit falsch. Man sieht dies häufig bei Push-Hands-Wettbewerben und bei Demonstrationen. Diese Feststellung ist kein Vorwurf, denn sie können nichts dafür, weil sie es so von ihren Lehrern gelernt haben. So sind viele z. B. dem Irrtum erlegen, es käme auf den Einsatz des hinteren Beines an. Das mag bei Wettkämpfen den Sieg bringen und mag den unprofessionellen Wettkampf-Regeln geschuldet sein - aber Einsatz der Inneren Kraft "Jin" ist dies nicht, denn die beruht nicht auf der Nutzung des hinteren Beins sondern auf korrekter Körperstruktur und der nötigen Übung.

8.2. Push Hands Patterns"

Die Tuishou-Methodik gliedert sich in drei Haupt-Unterteilungen, die wiederum ihre eigenen Reglements haben.

"Fixed-Step", "Moving-Step" und "Free-Step

Typischerweise unterschedet man "Fixed Step", "Moving Step" und "Free (Moving) Step". Es gibt natürlich in jedem Faall einhändiges Tui Shou und zweihändiges Tui Shou (s. auch den Artikel "Mastering Traditional Push Hands Patterns").

8.2.1. "Fixed-Step-Competition"

"Fixed step" (chinesisch: Ding Bu  定步; pinyin: ding bù) ist das Basis-Muster des Zweikampfs und wird ohne Schritt praktiziert. Jeder will den Anderen aus seinem Gleichgewicht zu bringen und ihn dadurch zu einem Schritt zu veranlassen, ohne selbst einen Schritt auszuführen.

8.2.2. "Moving-Step-Competition"

Moving Step (chinesisch: Huo Bu 活步; pinyin: huo bù) ist dagegen viel dynamischer, denn es wird mit Schritten nach vorgegebenem Muster praktiziert. Es gibt unterschiedliche Richtungen, und unterschiedliche Höhen der Körperhaltung (niedrig, mittel, hoch) und natürlich Kombinationen.

8.2.3. "Free (Moving) Step Competition / freestyle"

Das freie Pushhands findet ohne vorgegebene Bewegungsmuster statt und umfaßt zahlreiche Freestyle-Varianten. Dazu gehören Strategien zum Überbrücken von Distanzen zum Gegner und ein großes Repertoire an Techniken mt kurzer, mittlerer und langer Reichweite. Es gibt kontroverse Auffassungen zur Abgrenzung von "Free Step" zum "free fighting" (s. "san shou (freie Hände)".

8.3. Neue Tai Chi Push Hands Wettkampfregeln aus China

Die zuständigen chinesischen Stellen haben erstmals 2015 einen neuen Tuishou-Regel-Entwurf veröffentlicht. Das Organisationskomitee hatte zuvor drei Jahre lang zahlreiche Tai-Chi-Meister aus verschiedenen Stilrichtungen befragt, um herauszufinden, ob sich das Reglement für bessere Tai-Chi-Wettbewerbe eignen würde.  /p>

Dieses Unterfangen war in der Tat längst überfällig:

Das Vorhaben stammt von der höchsten nationalen Wushu-Kontrollbehörde. Sie legt zukünftige Standards für nationale, internationale und potenzielle olympische Ereignisse in China fest.

Die Haupt-Punkte der neuen Regeln sind folgende:

Hier liste ich einige der wichtigsten Punkte der neuen Regeln auf:

1. Es handelt sich um einen "Fixed Step" -Wettbewerb, nicht um einen "Moving Step" -Wettbewerb (oder einen "Free Step" -Wettbewerb).

2. Sie werden anhand Ihrer Qualität als Doppel-Hand-Tuishou-Drill beurteilt.

3. Der erste Angriff / die erste Verteidigung muss durch einen Doppel-Hand-Tuishou-Drill erfolgen.

4. Bestimmt als erster Angreifer / Verteidiger, um gleichzeitige Angriffe zu vermeiden, die zum Einsatz von Kraft gegen Kraft führen.  

8.4. Wettkampf-Regelwerk

New Tai Chi Push Hands competition rule from China http://jinglingtaichi.com/new-tai-chi-push-hands-competition-rule-china/

"A few weeks ago, we had a chance to discuss with a visiting Chinese Tai Chi master regarding the new draft Tai Chi Push hands competition rule from mainland China. Those who watched Tai Chi Push Hands competitions, all have the feeling that it’s very un-Tai Chi like but more wrestling contests, full of force against force, without any sign of “Four ounce handles thousand pound”. That’s must be the same feeling of the governing body. The draft rule first published around April 2015. The organization committee spent three years consulting many Tai Chi masters (from different styles) to come up with this aiming to return it as a true Tai Chi competition. The significance of the new rule are: · It’s from the highest national Wushu controlling body – “Chinese State Sports General Administration of Wushu Administrative Center”. · It sets up future standards for China domestic, international and potential Olympic events. · It’s strong intention of promote true Tai Chi techniques. The new rule has been used in many competitions in China such as the prominent “China Jiaozuo International Taijiquan Exchange Competition” (中国焦作国际太极拳交流大赛 ). More and more Tai Chi schools, competitors are getting on the bandwagon. Here I list some of the key points of the new rule: 1. It’s a “Fixed Step” not “Moving Step” (or “Free Step”) competition. 2. You will be judged by your “Double-hand Push Hands Drill” skill. 3. Initial attack/defence must come from “Double-hand Push Hands Drill” motion. 4. Designated initial attacker/defender to avoid duel attacking resulting in fighting force against force. Although initial view might see the rule being overly restrictive, but understanding where it’s coming from, I believe it warrants more effort to experience before jump into conclusion. "


9.0. Exkurse

Zusätzlich zu obigen Kapiteln folgen hier einige ausgewählte Exkurse, um das Bild abzurunden.

9.1. "Lobbycontrol"

Dr. Langhoff DTB-MitgliederserviceRein zufällig hörte ich kürzlich von dem Verein "Lobbycontrol". Der Name paßt ganz gut zu meinem Korrektiv in der Taijiquan-Qigong-Szene und für meine Gestalt-Methodik des "Richtig Lernen und Lehrens". Dies gilt auch für den Fachbereich der Zweikampf-Techniken Pushhands / Tuishou - und hier in erster Linie für Multiplikatoren und alle, die in Organisationen führende Ämter bekleiden. . Das "Schauspiel "Des Kaisers neue Kleider" mit seinen Scheuklappen und Fremdeln vor den Fakten bietet ernsthaft Interessierten ja keine innere Weiterentwicklung! Wie "Lobbycontrol" möchte ich gern Schutzvorkehrungen gegen solche einseitigen Einflussnahmen anbieten. Die internationale anschauliche Bezeichnung reflektiert auch meine Zielsetzung, Menschen unabhängiger zu machen von Folklore-Fantasien und Illusionen, so daß sie innerlich unabhängiger werden und wachsen können gemäß ihrem innewohnendem Potenzial.

Wie der Verein recherchiere ja auch ich zu aktuellen Themen, erstelle Hintergrundanalysen und Dokumentationen mit wissenschaftlich-objektivem Anspruch. Und wie der Verein mache ich aufmerksam auf verzerrende Sehweisen sowie auf Organisationen und Netzwerke mit koordiniertem Lobbying. Mein Fokus richtet sich dabei auf die Protagonisten von Heilslehren und auf Lobbyisten gleichermaßen. Ich möchte mit meiner 50-jährigen Erfahrung ihren schönfärberischen Einseitigkeiten Schranken setzen, sie mäßigen und prüfen - denn das bedeutet der Term "control". Ich propagiere also keinerlei "neue Einseitigkeit" sondern trete ein für eine Ausgewogenheit, in der jeder seinen individuell geprägten Weg selbst gehen kann - von mir aus also auch hin zu Guru-Tum und Lobbyismus.


 

10. Anmerkungen

einarb

a

Push Hands nicht nur im Taijiquan

Auch mir ist erst später klar geworden, dass Kern-Bereiche sowohl der Theorie als auch der Praxis aus der engen "Tuishou-Perspektive" unerschlossen bleiben müssen, weil das ursprüngliche Experten -Wissen für viele nicht mehr verfügbar ist. Glücklicherweise ist der Zugang aber zumindest teilweise weiterhin möglich, sobald man aus den eng gesteckten Taijiquan-Rahmen heraustritt.

Tuishou: Dr. Langhoff´s Essay On Pushing Hands 2019Dem Push-Hands vergleichbare Übungen gibt es aber nicht nur (wie oft behauptet) im Taijiquan sondern in zahlreichen anderen Kampfkunst-Systemen - beispielsweise im japanischen Jujutsu (der "alten Schule (Koryu)) und im Karate (Kakie). Auch chinesische Taiji-Meister sind in der irrigen Annahme befangen, Tuishou gäbe es nur im Tai Chi. Das Gegenteil ist der Fall: Eine große Zahl asiatischer Kampfkunst-Systeme und Kampfsport-Arten, die gar nichts mit dem chinesischen Schattenboxen zu tun haben, enthalten Partnerübungen, die auf den gleichen Prinzipien fußen. Wer darüber nicht bescheid weiß, ist m. E. kein kompetenter Lehrer. Schlimmer noch: Er kann die Tuishou-Irrtümer nicht erkennen, da es ihm an der notwendigen übergeordneten Perspektive mangelt.

 

6.3. Innere Kraft / Wudang

Gemäß dem "Wudang-Erzählmuster" der chinesischen Taiji-Familien wären "Tuishou-Techniken" den "Pushhands-Techniken" weit überlegen, weil nur sie über innere Kraft verfügen. Dieses traditionelle Credo ist allerdings falsch. Mehr noch: "Push-Hands" könnte die besseren, weil wirksameren Strategien aufweisen. Eines der Argumente: Gerade kürzlich hat ein Meister des Yang-Stil-Taijiquan, der einen "Mixed-Martial-Arts-Fighter" zum Duell herausforderte, bereits nach wenigen Sekunden eine schmähliche Niederlage erlitten. Also war das Tajiquan-Tuishou dem Shaolin-Pushhands klar unterlegen.

 

aaaaaaa

 

Tuishou-Ausbildung Dortmund

Kostenloses Lernen/ Downloads für Anfänger: Dalü. Siehe dazu auch eine Erklärung der Techniken im Buch von Chen Weiming "Ta-Wen (Fragen und Antworten)". Kostenlose Lehr-DVDs: Dortmund Ausbildung Tai Chi Qigong Quelle: Dortmund Ausbildung

Qigong-Tai-Chi-Ausbildungen - DTB-Dachverband bietet Top-Qualifizierung.

Der gemeinnützige Dt. Taichi-Bund - Dachverband fürTaichi und Qigong e. V. (DTB) bietet seit seiner Gründung 1996 ideologie-freie Unterweisungen (Kursleiter bis Ausbilder).

Tai Chi Ausbildung Frankfurt/ Main

Die Regional-SeiteTai Chi Qigong Ausbildung Frankfurt / Main des Taijiquan-Qigong-Bundesverbandes DTB befaßt sich mit dem Thema "FIND A TEACHER - Die richtige Schule finden". Sie  beruht auf "Annual Report 2015 Clearing House Yang Family Tai Chi mit den Dossiers 2015 und 2016. Siehe auch DTB-Glossar und DTB-Personen-Register.

Fach-Fortbildung Kassenzulassung - eine DTB-Initiative

ZPP-Zulassung / Übergangsregelung/ Künftige Voraussetzungen: Zusatzkursus unter Leitung des Instruktoren-Netzwerks:  Qigong Ausbildung Kassel / Tai Chi Ausbildung Kassel.